Bis nach Griechenland und zurück | Motorfluggruppe Zürich MFGZ

Bis nach Griechenland und zurück


10. Juni 2019

Bis nach Griechenland und zurück

Anfang Juni machte sich ein Team von 15 Piloten auf zum dritten Navigationsflug der MFGZ in diesem Jahr. Dieses Mal ging es rund um die Adria. Inklusive einem Halt in Griechenland.

Reisebericht von André Wiederkehr

Nach der Umrundung der Iberischen Halbinsel Ende April/Anfang Mai stand über Auffahrt eine weitere Umrundung an. Unter dem Titel «Rund um die Adria» organisierte Andreas Carl den dritten MFGZ-Nav-Flug im 2019. Auch dieser Flug war wieder innert kürzester Zeit ausgebucht bzw. sogar überbucht – das heisst wir konnten mit 5 Flugzeugen und insgesamt 15 Piloten das Abenteuer in Angriff nehmen.

 

Wetter-Pech und Wetter-Glück

Wie bereits beim Navflug um die iberische Halbinsel hatten wir für den ersten Tag erneut ein volles Programm und waren auf gutes Wetter angewiesen. Das kalte Wetter und die intensiven Regenfälle vor der Auffahrt führten zu einer Nebellage in Zürich. Dies bedeutete, dass wir die angepeilten Morgen-Slots um 08:45 Local Time nicht nutzen konnten und Zürich erst im Slot-Fenster zwischen 10:40 und 11:55 Uhr verlassen konnten. Dies bedingte das Auslassen einer Zwischenlandung und ein noch speditiveres Arbeiten der Crews.

Der Start in Zürich erfolgte gegen 11:00 Uhr dank dem Entgegenkommen der ATC in einer 3er-Formation (HB-PIV/PMT & SGD) sowie einer 2er-Formation (HB-CKG/CLH). Aufgrund der vorhandenen Wetterbedingungen wurden ganz unterschiedliche Flugwege in den Süden eingeschlagen. Eine Crew wählte den Weg über den Gotthardpass nach Venedig. Eine andere Crew flog via Julier- und Berninapass dem ersten Ziel entgegen. Die restlichen drei Flieger wählten die Route über Davos-Flüelapass-Ofenpass und das Vinschgau, um nach Venedig zu gelangen.

Die einen schlängelten sich durch die Wolken, die anderen entschieden sich, «on top» zu fliegen. Nach einer Flugzeit von zwischen 1:54 h und 2:39 h erreichten alle Venedig – den Grasplatz Lido di Venezia. Nach einer sehr nervenaufreibenden Zoll- und Ausweiskontrolle (inkl. Kontrolle der Gepäckstücke) und einem langsamen Tankprozedere ging es dann ohne Pause weiter.

Nach dem Start galt es, den Golf von Triest zu überqueren. Die einen wählten dabei die Route via Triest und Portoroz, um nach Kroatien zu gelangen. Andere wählten – um Flugzeit zu sparen – den direkten Weg über das Meer nach Vrsar oder Pula. Dort ging es den bekannten VFR-Flugrouten «Adria 1» oder «Adria 4» entlang in Richtung Zadar bzw. Split. Dabei überquerten wir zahlreiche kleinere und grössere Inseln im türkisblauen Meer – dies bei herrlichem Flugwetter. Nach weiteren rund 2 bis 2 ½ h Flugzeit erreichten wir unser Tagesziel, die vor Split gelegene Insel Brač.

 

Fliegerisches Neuland

Am zweiten Tag betraten wir fliegerisches Neuland. Denn in den Ländern Montenegro, Nordmazedonien und Albanien war von uns allen noch keiner selbst geflogen. Um für diesen Trip aber immer genügend Fuel dabei zu haben, mussten die Avgas-Flugzeuge – also die beiden Piper Archer und die beiden Cessnas – in Dubrovnik einen Zwischenstopp einlegen, um den raren Treibstoff für die nächsten Legs zu tanken.

Da die DA40 der MFGZ mit Jet-Fuel betrieben wird, war dieses Flugzeug vom fehlenden Avgas nicht betroffen und wählte daher den direkten Weg nach Tivat. Von Tivat flogen die meisten Crews durch diverse Täler in den Bergen von Montenegro, Albanien und Nordmazedonien, um schliesslich am grossen Ohridsee die nächste Zwischenlandung am Flughafen «St. Paul the apostle» einzulegen.

Die letzte Tagesetappe – diesmal eine kurze – brachte uns zurück in Küstennähe nach Tirana, die Hauptstadt Albaniens. Nach dem Hotelbezug und einer wohlverdienten Dusche tauchten wir ab ins Nachtleben von Tirana und verköstigten uns vorzüglich zu unschlagbaren Preisen.

 

Griechenland

Auch für den dritten Tag hielt der Organisator Andreas Carl einen Leckerbissen für uns bereit. Diesen Leckerbissen mussten wir uns aber alle noch etwas verdienen. Der Handling-Agent von Goldair in Korfu liess sich bis wenige Minuten vor dem Abflug in Tirana Zeit, um uns eine Landebewilligung am Kerkira Airport zu erteilen. Von Tirana ging es via Elbasan, dem Stausee «Rezervuari i Murrizit» und Lekël durch das gebirgige Hinterland von Albanien. Bei Saranda erreichten alles Crews wieder die Küste und somit den griechischen Luftraum.

Die bereits eingespielten Crews teilten sich jeweils auf, so dass eine Person beim Flugzeug blieb und das Tanken organisierte bzw. überwachte und die anderen beiden sich um die Bezahlung der Landetaxen und die Verpflegung kümmerten – Flugpläne werden ja heute mehrheitlich über die verschiedenen Navigation-Software-Tools erstellt und versendet.

Übrigens, die Landung in Kerkira schlug für die HB-SGD mit extraorbitanten EUR 500.00 zu Buche. Mit dem AOPA-Ausweis konnten wir diese glücklicherweise auf EUR 193.00 reduzieren. Dabei kostete der Bus vom Flieger zum Terminal und zurück pro Crew satte EUR 130.00. Gerne spreche ich an dieser Stelle der Flughafenbetreiberin Fraport einen herzlichen Dank für ihre Gastfreundschaft aus!!!

Nach dem Start in Korfu überquerten wir die Adria in Richtung Italien. Dabei wählten die Crews sowohl unterschiedliche Flugwege als auch Flughöhen. Die einen flogen direkt an den südlichsten Zipfel des Stiefelabsatzes, um bei Santa Maria di Leuca die Küste von Italien zu erreichen und ihr weiter nach Nordwesten zu folgen. Andere wählten Torre dell’Orso bei Lecce als «Entry point».

Bereits über dem Mittelmeer war zu erkennen, dass es nun nicht mehr so einfach sein wird, um einen passablen Flugweg zu finden. Über dem Stiefel bäumten sich zahlreiche Gewitterwolken auf. Zudem wurde uns vom Kontroller auf der Informationsfrequenz ein sehr schlechter Wetterbericht von unserer Destination Salerno übermittelt. Wir entschieden uns, trotzdem weiter zu fliegen. Denn wir hofften, dass die Gewitter bis zu unserer Landung wieder verziehen.

Dem war dann auch so, wobei wir unsere Flugzeuge bis zur Destination noch zwei, dreimal durch die «Waschstrasse» flogen. Nach dem Tankstopp in Salerno ging es weiter nach Norden. Drei Crew konnten dabei bei Pompei vorbeifliegen und sogar den Flugplatz und die Stadt Neapel überfliegen.

Den anderen zwei Crews wurde dieser Weg leider verwehrt und sie mussten via Nola und Caserta im «Hinterland» nordwärts fliegen – womit ein Blick auf die so interessante Stadt für sie leider nicht möglich war. Nach rund 1 ½ Stunden Flugzeit erreichten dann alle das Tagesziel Roma-Urbe. Dabei konnte man im Anflug auf den Flugplatz sowohl den Petersdom als auch das Viktor Emanuels Denkmal sehr gut sehen.

Obwohl wir Rom frühzeitig erreicht hatten, war es sehr umständlich, unsere Flugzeuge zügig zu tanken. Auch die Organisation eines Taxis oder Ubers erwies sich als sehr zeitraubend, so dass wir damit rund 2 Stunden verloren hatten. Das dadurch etwas später anfallende Nachtessen liessen wir uns aber nicht vermiesen und genossen einen umfassenden Querschnitt durch die abruzzische Küche.

 

Heimreise

Auch die Heimreise nach Zürich war durch äussere Einflüsse sehr genau getaktet. Roma-Urbe erlaubte Abflüge erst ab 09:30 Uhr. Da wegen eines Feiertages aber die Kunstflugstaffel Frecce Tricolori noch eine Flugshow über der Stadt angekündigt hatte, mussten wir vor 10:30 Uhr weg sein – was für uns Frühaufsteher jedoch kein Problem war.

Im Tiefflug – das heisst unter den sehr tief liegenden Lufträumen der Klasse «A» flogen wir in Richtung Lago di Bracciano. Beim Kreuzfahrtschiffhafen von Rom, in Civitavecchia, erreichten wir dann die Küste des Mittelmeers. Von dort aus flogen wir aufs offene Meer hinaus in Richtung Giglio, die aus traurigen Gründen bekannte italienische Ferieninsel. Unser erstes Ziel war Marina die Campo auf Elba, wo uns ein starker und turbulenter Nordwind entgegen blies und die Piloten beim Anflug ziemlich forderten.

Nach dem Bezahlen der Landetaxe und einer kurzen Kaffee- und Bio-Pause zog es uns weiter. Mehrheitlich wurde dabei der Weg via Pombino, Livorno, La Spezia und Portofino gewählt. Unser Ziel war der Aeroporto di Genua. Hier wollten 4 Flugzeuge tanken und alle den obligaten Ausflugszoll durchführen. Eigentlich war nur ein kurzer Stopp geplant. Hier in Genua gerieten wir jedoch voll in die italienische Bürokratie. Das Betanken und Bezahlen der Landetaxen wurde zur «Farce». Und so verzögerte sich der Heimflug um bis zu zwei Stunden.

Die beiden Archer und die Diamand Star (DA40) konnten auf der letzten Etappe den Geschwindig-keitsvorteil gegenüber den Cessnas voll ausspielen. Trotz der Verzögerungen in Italien konnten sich diese Flieger auf den Heimflug über den Passo dei Giovi und durch die Po-Ebene aufmachen. In der Region Domodossola bzw. Chiasso/Mendrisio erreichten wir wieder den heimischen Luftraum.

Das Überfliegen unserer heimischen Alpen war der krönende Abschluss dieses einmaligen Nav-Fluges. Die genannten drei Flugzeuge erreichten wie geplant kurz vor 17:00 unseren Heimathafen Zürich. Die beiden Cessnas, welche aufgrund der tieferen Fluggeschwindigkeit etwas später unterwegs waren, mussten leider in Genua die Zürcher Slot-Sperre abwarten und erreichten Zürich gemeinsam gegen 18:40 Uhr.

 

Dank

Zum Schluss bedanke ich mich bei allen, welche zum guten Gelingen dieses grandiosen Nav-Fluges beigetragen haben. Auf der einen Seite gehört der Dank jedem einzelnen Teilnehmer. Alle haben etwas zum ungemein starken Kollektiv beigetragen. Auf der anderen Seite bedanke ich mich bei Martin Meiler, Peter Zanoni und Renzo Zuberbühler, welche sich einmal mehr als Kulinarik-Experten ausgezeichnet haben und immer sehr schöne Restaurants mit vorzüglichem Essen für uns ausgesucht und organisiert hatten. Ich bedanke mich auch bei allen, welche so viele schöne Bilder geschossen und geteilt hatten, welche ich für diesen Bericht gebrauchen durfte.

Ein ganz spezieller Dank gehört dem Organisator Andreas Carl. Andreas hat mit riesigem Aufwand einen super interessanten Nav-Flug organisiert. Dabei ist wohl die Gruppengrösse das kleinste Problem gewesen. Aufgrund der kurzen Öffnungszeit in Brač war eine Flugbetriebsverlängerung zu vereinbaren. Die Flugplätze Tivat, Tirana und Kerkira brauchten die Dienste von Handling-Agenten – diese Verhandlungen waren nicht immer einfach und dauerten teilweise bis wenige Minuten vor dem Abflug!

Für die Flüge in Albanien und Nordmazedonien brauchte es weiter eine spezielle PPR-Bewilligung. Und natürlich musste überall abgeklärt werden, ob Zoll und Treibstoff vorhanden ist. Daher nochmals ein riesiges Dankeschön an Andreas Carl für die Organisation dieses für alle spannenden und lehrreichen Nav-Fluges. Er wird uns allen noch lange in bester Erinnerung bleiben.


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